KBV IT-Sicherheitsrichtlinie — Anforderungen und Pflichtdokumente

Zentrale Anforderungen der KBV IT-Sicherheitsrichtlinie nach §75b SGB V im Überblick. Pflichtdokumente, Prüfkriterien und digitale Umsetzung für Arztpraxen jeder Größe.

Was ist die KBV IT-Sicherheitsrichtlinie?

Die KBV IT-Sicherheitsrichtlinie wurde von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung auf Grundlage von §75b SGB V erlassen. Sie definiert verbindliche Mindestanforderungen an die IT-Sicherheit in vertragsärztlichen und vertragspsychotherapeutischen Praxen. Seit dem Inkrafttreten am 1. Januar 2021 müssen alle Praxen die Vorgaben umsetzen — unabhängig von ihrer Größe.

Die Richtlinie verfolgt ein klares Ziel: Patientendaten und Praxis-IT vor Cyberangriffen, Datenverlust und unbefugtem Zugriff zu schützen. Angesichts der zunehmenden Vernetzung über die Telematikinfrastruktur (TI) ist das Thema IT-Sicherheit in der Arztpraxis wichtiger denn je.

Pflichtdokumente der KBV IT-Sicherheitsrichtlinie

Die Richtlinie fordert eine Reihe konkreter Dokumente und Nachweise. Diese Pflichtdokumente müssen aktuell und jederzeit vorlegbar sein:

#DokumentInhalt
1Netzplan / NetzwerkdokumentationAlle Geräte, IP-Adressen, Verbindungen, TI-Konnektor, Router, Switches
2Backup-KonzeptSicherungsintervall, Speicherort, Verantwortlichkeiten, Wiederherstellungstests
3PasswortrichtlinieMindestlänge, Komplexität, Wechselintervall, Mehrfachnutzung
4FernwartungsregelungZugelassene Tools, Authentifizierung, Protokollierung, Freigabeprozess
5Regelung für mobile GeräteSmartphones, Tablets: Verschlüsselung, PIN, Fernlöschung, erlaubte Apps
6Regelung für Wechseldatenträger (USB)Erlaubte Geräte, Verschlüsselung, Scan-Pflicht, Freigabeprozess
7SchulungsnachweiseJährliche Mitarbeiterschulung zu IT-Sicherheit und Datenschutz
8VerantwortlichkeitenBenennung eines IT-Verantwortlichen, Kontaktdaten IT-Dienstleister

Anforderungen nach Praxisgröße

Die KBV IT-Sicherheitsrichtlinie staffelt die Anforderungen in drei Stufen. Je mehr Personen in der Praxis auf Patientendaten zugreifen, desto umfangreicher sind die Pflichten:

Kleine Praxen (bis 5 Personen mit Datenzugriff)

Grundlegende Anforderungen: aktueller Virenschutz auf allen Geräten, regelmäßige Betriebssystem- und Software-Updates, verschlüsselte Internetverbindung, Firewall am Internetübergang, automatische Bildschirmsperre nach Inaktivität, tägliches Backup, sichere Passwörter und mindestens eine jährliche Mitarbeiterschulung zur IT-Sicherheit.

Mittlere Praxen (6 bis 20 Personen)

Zusätzlich zu den Basisanforderungen: ein dokumentierter Netzplan aller IT-Komponenten, Protokollierung administrativer Zugriffe auf Systeme, schriftliche Regelung der Fernwartung durch externe Dienstleister, Richtlinie für Wechseldatenträger und USB-Geräte sowie ein Notfallkonzept für IT-Ausfälle mit definierten Wiederanlaufzeiten.

Große Praxen und MVZ (über 20 Personen)

Höchste Anforderungsstufe: Netzwerksegmentierung zur Trennung kritischer Systeme, Intrusion-Detection-Systeme, verschlüsselte interne Datenübertragung, erweiterte Protokollierung aller sicherheitsrelevanten Ereignisse, regelmäßige Penetrationstests und ein dokumentiertes IT-Sicherheitsmanagement mit klar definierten Rollen und Eskalationswegen.

Prüfung und Konsequenzen

Die Einhaltung der KBV IT-Sicherheitsrichtlinie kann durch mehrere Stellen überprüft werden:

Die Konsequenzen bei Verstößen sind erheblich: Die KV kann Auflagen erteilen und Nachfristen setzen. Bei Datenpannen drohen DSGVO-Bußgelder bis zu 20 Mio. Euro oder 4 % des Jahresumsatzes. Cyberversicherungen können die Leistung verweigern, wenn grundlegende Anforderungen nicht dokumentiert waren. In besonders schwerwiegenden Faellen mit systematischen und wiederholten IT-Sicherheitsmaengeln koennen weitere aufsichtsrechtliche Konsequenzen folgen.

Dokumentation mit Custodio vs. manuell

KriteriumManuelle DokumentationCustodio
Zeitaufwand Ersteinrichtung20-40 Stunden2-4 Stunden
VorlagenSelbst recherchieren und erstellenPraxisfertige KBV-Vorlagen vorbefüllt
NetzplanManuell in Visio oder WordAutomatische Erkennung und Visualisierung
AktualitätVerfällt schnell, kein ReminderAutomatische Erinnerungen bei Ablauf
VersionierungDateiname_v3_final2.docxAutomatisch mit vollständigem Audit-Log
PrüfungsnachweisOrdner zusammensuchenStrukturiertes Exportpaket
VerknüpfungEinzeldokumente ohne BezugVerknüpft mit VVT, TOM, DSFA, AVV
PreisKostenlos (+ Arbeitszeit)Ab 49 EUR/Monat

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Häufige Fragen zur KBV IT-Sicherheitsrichtlinie

Was ist die KBV IT-Sicherheitsrichtlinie?

Die KBV IT-Sicherheitsrichtlinie ist eine verbindliche Vorgabe der Kassenärztlichen Bundesvereinigung nach §75b SGB V. Sie definiert Mindestanforderungen an die IT-Sicherheit in Arztpraxen und psychotherapeutischen Praxen, gestaffelt nach Praxisgröße.

Welche Dokumente brauche ich für die KBV IT-Sicherheitsrichtlinie?

Sie benötigen mindestens: einen aktuellen Netzplan, ein Backup-Konzept, eine Passwortrichtlinie, Regelungen zur Fernwartung, Vorgaben für mobile Geräte und Wechseldatenträger sowie Nachweise über jährliche Mitarbeiterschulungen.

Wer prüft die Einhaltung der KBV IT-Sicherheitsrichtlinie?

Die Kassenärztlichen Vereinigungen können die Einhaltung im Rahmen von Stichproben prüfen. Zusätzlich können Datenschutz-Aufsichtsbehörden und die gematik bei Anbindung an die Telematikinfrastruktur IT-Sicherheitsnachweise anfordern.

Was passiert bei Verstößen gegen die KBV IT-Sicherheitsrichtlinie?

Verstöße können zu Auflagen und Nachforderungen der KV führen. Bei Datenpannen drohen DSGVO-Bußgelder bis zu 20 Mio. Euro. In besonders schwerwiegenden Faellen mit systematischen IT-Sicherheitsmaengeln koennen weitere aufsichtsrechtliche Konsequenzen folgen.

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